Die textile Kette

 

Rohstoffanbau – Baumwolle
TransFair e.V. / Vipul Kulkarni

Marktführer im Baumwollanbau sind China und Indien. Die einjährige Pflanze wird in der Regel in Monokulturen angebaut und mit Hand gepflückt. Das Saatgutmonopol auf die angebaute Baumwolle in Indien hat seit 2002 der Großkonzern Monsanto. Solches Saatgut verspricht den doppelten Ertrag bei der Ernte, ist aber nur ein Jahr ergiebig, weshalb die Bauern und Bäuerinnen auf den jährlichen Kauf von Samen angewiesen sind. Ernteausfälle können somit die Existenzgrundlage entziehen und Verschuldungen verursachen: Aus diesem Grund nehmen sich in Indien jährlich in etwa 20.000 Bauern das Leben. Die Pflanze wird auf 2,4 % der weltweiten Ackerfläche angebaut. Doch für ihren Anbau werden 11% der weltweit gehandelten Pestizide und 25% der gehandelten Insektizide verwendet: Baumwolle ist die meistgespritzte Pflanze der Welt. Nur jede zweihundertste Pflanze wird biologisch angebaut. Problematisch beim Anbau ist zudem der hohe Wasserverbrauch, der benötigt wird. Vielerorts werden lebenswichtige Wasserquellen in die Bewässerungskanäle der Baumwollplantagen umgeleitet, anstatt der Bevölkerung als Trinkwasser zugute zu kommen. 2.000 Liter Wasser verbraucht die Herstellung eines einzigen T-Shirts.

 

Faden und Stoff

Die in China oder Indien angebaute Baumwolle gelangt maschinell entkörnt und zu Ballen zusammengepresst in Spinnereien. Gesponnen wird beispielsweise in der Türkei. Durch die Entnahme von Proben wird sie auf Länge, Reinheit, Farbe und Reißfestigkeit hin uüberprüft. Diese Faktoren bestimmen schlussendlich ihren Preis. Das Säubern, Kardieren und Spinnen der Baumwolle geschieht mechanisch. Die Fäden erreichen daraufhin eine Weberei, die unter anderem in Taiwan liegen kann. Vollautomatische Webstühle versticken die Baumwollfasern nach einem bestimmten Strickmuster.

 

Färben

Weltweit gibt es rund 8.000 Textilhilfsmittel und 4.000 Farbstoffe, die zum Einsatz kommen. Oft werden gesundheitsgefährdende Chemikalien benutzt. Zur Fixierung der Farben werden bis heute u. a. Schwermetalle verwendet. Rückstände der Chemikalien dringen beim Tragen der Kleidung durch Reibung und Schweiß in die Haut ein. Die damit verbundenen gesundheitlichen Langzeitfolgen sind noch weitgehend unerforscht. Gefärbt wird vor allem dort, wo Umweltauflagen entweder weniger rigide sind oder schwächer kontrolliert werden. Zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen sind als verschmutzt klassifiziert, da Giftstoffe aus den Fabriken häufig ungeklärt abgeleitet werden mit katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt und die dort lebenden Menschen: Diese Chemikalien tauchen später im Trinkwasser und Essen auf und können schwerwiegende Krankheiten verursachen.

 

Veredelung – Zuschneiden, Nähen, Verpacken
TransFair e.V. / Anand Parmar

Der fertige Stoff erreicht Billiglohnländer, z. B. Bangladesch. Bangladesch erwirtschaftet bereits jetzt 80 Prozent der Exporterlöse durch die Bekleidungsindustrie. Das Land ist somit von dem boomenden Geschäft abhängig. Die Anzahl der Textilfabriken, welche Großteils illegal errichtet wurden, wird auf 6.000 geschätzt. Vor allem Kinder und Frauen arbeiten, dabei sind zwölf bis vierzehn Arbeitsstunden eher die Regel als die Ausnahme. Überstunden werden häufig nicht bezahlt. Langsames Arbeiten bedeutet häufig eine Kündigung. Der Produktionsdruck ist enorm: Wer nicht pünktlich liefert, verliert den Auftrag. Zu viel Konkurrenz wartet bereits auf dem Markt.

 

Über die Ladenbank: Der Verkauf der Kleidung

Die Hauptabnehmer der in Bangladesch genähten Kleidung sind vor allem Europa und die USA. Bei diesem letzten Schritt wird der Preis nochmals drastisch erhöht: 59 Prozent schlägt der Einzelhandel auf die Produkte auf und erhält somit den größten Teil des Gewinns bei einem Kleidungsstück.